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Schwerpunktthema:
Krieg in der Ukraine

Zum Thema diskutieren Cornelia Mannewitz und Tom Maercker

OKT 2022 . Zwischen den quartalsweise erscheinenden Ausgaben haben wir - von SocialMedia-Posts einmal abgesehen - bislang keine Artikel veröffentlicht, weil wir mit unserem Stadtmagazin eher auf langfristige Themen und Entwicklungen in der Region Rostock orientieren. Wir haben allerdings immer wieder mal feststellen müssen, dass das - auch wegen der konkreten Rolle der regionalen Tageszeitungen und Monatsmagazine - mitunter problematisch ist, weil aktuelle Themen nicht bearbeitet werden oder es zu kontroversen bzw. komplexen Themen keinen ausreichenden Diskurs gibt.




Der Überfall Russlands auf die Ukraine ist so ein Thema. Es ist nicht nur komplex, sondern auch von verschiedenen Sichtweisen geprägt. Überrascht hat der Krieg (wahrscheinlich) alle. Und beendet sehen würden ihn (wahrscheinlich) auch gern alle, auch wenn zuweilen vom Konflikt profitierenden Kreisen anderes unterstellt wird. Außer Russland, denn der Agressor könnte die Kampfhandlungen sofort einstellen und sich ohne Folgen aus der Ukraine zurückziehen. Aber hier unterscheiden sich bereits die Meinungen, weil Politik ja immer auch eine Vorgeschichte hat und Ursache Wirkung ...

Unser Autor Tom Maercker hatte sich in Ausgabe 107 unter dem Titel "Nicht in meinem Namen" bereits versucht, dem Thema analytisch zu nähern. Dafür gab es viel Lob, aber auch kritische Rückmeldungen. Den Artikel finden Sie zum Nachlesen noch einmal anbei: Artikel als PDF (500 kB).

Zu dem Artikel hatten wir einen Leserbrief erhalten, den wir in Ausgabe 108 abdrucken durften. Tom Maercker ist den Aufforderungen zum Lesen verschiedener, vorgeschlagener Artikel gefolgt und hat entsprechende Feedbacks dazu gegeben. Den kommentierten Leserbrief finden Sie hier: Leserbrief als PDF (300 kB).

Unsere langjährige Gastautorin Cornelia Mannewitz war der Meinung, dass es zu diesem Thema noch mehr zu sagen gibt. Wir haben uns auf das folgende Format geeinigt.




Cornelia Mannewitz: geboren 1955 in Rostock . Promotion in Moskau . Habilitation in Rostock . Slawistin . aktiv in der Gesellschaft für Interlinguistik (GIL), dem Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (BdWi), der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), dem Rostocker Friedensbündnis und der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK)


Tom Maercker: geboren 1965 in Rostock . Dipl.-Ing. Technische Kybernetik . Studium in Rostock, Tallin und Hamburg . Kommunikationsdesigner und Software-Entwickler . Redakteur und Mitherausgeber der "Stadtgespräche" . Mitglied im Deutschen Journalistenverband (DJV)





Cornelia Mannewitz
14.10.2022
Lass uns am Anfang anfangen, wie Du ja in Heft 107 auch schreibst. Da klärt man die Grundlagen und definiert die Termini. Deshalb möchte und muss ich leider erstens darauf hinweisen, dass einige Angaben in Deinem Artikel nicht stimmen: die Jahreszahl/en, die mit dem "Holodomor" in Verbindung gebracht wird/werden, Stalins Todesjahr, der Monat des Jahres 1939, in dem der Hitler-Stalin-Pakt geschlossen wurde, ein Zusammenhang zwischen Hitler-Stalin-Pakt, der Angliederung Kareliens an die Sowjetunion und der Konstituierung der mittelasiatischen "Kolonien" (wie Du schreibst) als Sowjetrepubliken, dass Stalin Präsident gewesen sei, dass Russisch in der Hälfte der Ukraine wieder (?) quasioffizielle Amtssprache sei und (hier siehe Deine Kommentare zum Leserbrief von Herrn Kalweit in Heft 108) dass Reiner Braun Direktor des International Peace Bureau sei. Das soll kein Beckmessern sein. Es wäre nur schade, wenn sich die Leser_innen Unkorrektes merken würden. Und ich will Dir auch nichts vorwerfen; ich weiß ja nicht, was für Literatur Du benutzt hast. Jedenfalls: Kein Problem! Wir lesen alle noch einmal nach. Die wirklichen Probleme kommen noch.

Zweitens möchte ich wissen, was Du unter "Russland" verstehst. Du schreibst (Heft 107, S. 29): "Dass jetzt ausgerechnet der Nachfolgestaat der Kommunismusidee und Bezwinger des Hitlerfaschismus nicht nur unter Zuhilfenahme des zumindest fragwürdigen Narrativs 'Nazibekämpfung' den Bruderstaat Ukraine überfällt (...), ist nur ein Paradoxon, mit dem wir momentan klarkommen müssen." Heben wir uns den Kommunismus, zumal den Kommunismus in seinem Verhältnis zum Staat, für später auf und bleiben wir in Deiner Formulierung. Dann frage ich: Setzt Du Russland mit der Sowjetunion gleich? Auch die Ukraine ist ein Nachfolgestaat der Kommunismusidee.


Anmerkung?



Tom Maercker
21.10.2022
Ich überspringe zunächst einmal die vermeintliche Fehlerliste, wenngleich ich mich allerdings für Dein aufmerksames Lesen bedanken möchte; ich kann natürlich Tippfehler oder Irrtümer nicht ausschließen. Ansonsten verwende ich, wenn ich die Daten nicht im Kopf habe, Wikipedia zur Konkretisierung; bei relevanten Fakten prüfe ich immer noch einmal bei einer zweiten (vertrauenswürdigen) Quelle gegen. Zuweilen bin ich sicher auch recht lax in meinen Bezeichnungen, wenn ich z. B. die zeilenlangen Staats- und Parteititel etc. auf ein Wort verkürze oder einen Direktor, Vorsitzenden oder Vorstand vage als "Chef" tituliere. Wissenschaftlich ist das sicher nicht ganz korrekt, aber im Pressekontext sicher sinnvoll; irgendwer soll das Ganze ja auch mit bleibenden Interesse lesen ;-)

Aber nun zu Deiner Auftaktfrage, was ich unter "Russland" verstehe. Die Sowjetunion (wenn auch verknappt auf das russische Staatsgebiet) ist es formal nicht mehr. Ich bin nicht ganz sicher, wohin uns diese Frage führen wird, aber ich spekuliere mal über Deine Intention und spanne einen Bogen über verschiedene Aspekte, die ich spontan assoziiere: Ich glaube, dass die heutige russische Gesellschaft (die ja politisch dann Nation und Staat hervorbringt) lange geprägt war von der Sowjetunion, also weit länger als uns die DDR geprägt hat. Und im Unterschied zur Bundesrepublik, wo wir ja in so ein Mischungsverhältnis aus realsozialistisch geprägten Ostdeutschen und marktwirtschaftlich orientierten Westdeutschen geraten sind, bei dem alle irgendwie immer um die Deutungshoheit von gut, böse oder besser ringen (was für beide Seiten ja zuweilen auch nützliche Impulse hervorbringt), ist die russische Gesellschaft recht homogen (im Sinne von: wir haben alle im selben Land gelebt, teilen Erfahrungen und Lebensumstände in ähnlicher Form) in die neue, kapitalistische Gesellschaftsordnung gewechselt, trägt aber aus meiner Sicht noch immer die Widersprüche der Sowjetzeit in sich: Die Erfahrungen mit dem realsozialistisch-bürokratischen und militarisiert-totalitären Staatskapitalismus auf der einen Seite und die (nicht nur propagierte, sondern sicher auch von vielen gewünschte/empfundene) Idee vom Aufbau einer gerechten, solidarischen und friedlichen Gesellschaft auf der anderen.

Nach meinen Erfahrungen ist das maßgeblich der russische Weg bzw. Erfahrungshorizont. Ich habe ja zu (End-)Sowjetzeiten in Estland studiert. Dort hatte die überwiegende Masse an Est:innen (ähnlich wie in den anderen baltischen Staaten) eine aus meiner damaligen Sicht absurd-biederbürgerliche Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts als Gegenstück zur russischen Kultur, Lebensweise, Politik und Ethik kultiviert. Und das auf Nachfrage auch offensiv so begründet. In den zentralasiatischen Teilrepubliken (teilweise auch den kaukasischen) sah es nicht viel anders aus. Dort hatte man wohl erst gar nicht recht damit begonnen, die sowjet-russische Lebensweise und deren Werte zu übernehmen, sich lediglich damit arrangiert. Und in der Ukraine mit ihren ausgeprägt anarchistischen Wurzeln gab es zumindest bei einer Minderheit schon immer ausgeprägte Autonomiebestrebungen. Spätestens aber nach dem vorsätzlich/fahrlässig verursachten "Holodomor" wird sich die Anhängerschaft einer sowjet-sozialistischen Gesellschaft in sehr engen Grenzen gehalten haben. Insofern war das post-zaristische Russland zumindest aus meiner Sicht der Kern und die treibende Kraft der Sowjetunion, mit der sich heute kaum jemand außerhalb Russlands identifizieren mag. Alle anderen, mehr oder weniger freiwillig angeschlossen oder schlicht annektierten Teilrepubliken, also willfährigen Mitläufer und damit gesellschaftspolitisch aus Moskauer Sicht wohl immer eher ein Klotz am Bein, sicher nicht. So gesehen ist Russland nicht nur territorial, historisch, militärisch und rechtlich, sondern auch gesellschaftspolitisch der Kern der ehemaligen Sowjetunion.

Wir waren es ja früher gewohnt, die Welt in kapitalistisch und sozialistisch zu unterteilen und haben das - ganz gesellschaftswissenschaftlich - an den vorherrschenden Produktionsverhältnissen einer westlichen Gesellschaftsentwicklung festgemacht. Bei Russland scheiden sich diesbezüglich die Geister. Während sich Lenin bemüht hat, die marxistische Theorie nachträglich zu dehnen, bin ich eher ein Anhänger der Meinung, dass sich - von den Chaosjahren der Konterrevolution oder der Jelzin-Ära einmal abgesehen - die russische Gesellschaft nie aus verschiedenen Formen der Despotie herausentwickelt hat, obwohl es dafür durchaus Chancen gegeben hätte. Daher war es wohl für die Menschen auch irrelevant, ob ein Kombinat von einem Parteibürokraten (genauer gesagt: von einem Generaldirektor, der - ebenfalls Mitglied der Partei - die Richtlinien des Parteiführung sowie die Vorgaben der staatlichen Planungskommission umsetzt) oder einem Oligarchen geführt wird. Aus meiner Sicht brauchte sich der als "Sozialismus" deklarierte Staatskapitalismus auch folgerichtig kaum verändern. Die großen Rohstoffkonzerne haben sich - wie in Despotien üblich - deren Günstlinge angeeignet, ohne, dass es einen zivilgesellschaftlichen Aufschrei gegeben hätte. Der Großteil der Menschen leben einfach weiter in einer feudalkapitalistischen Gesellschaft mit dubiosen Machtzentren, die sich nur unwesentlich von früheren unterscheiden, und trauern in vielem noch dem vermeintlichen Glanz der Sowjetunion hinterher. Und das verstellt den weniger Reflektieren aus meiner Sicht auch eine kritische Auseinandersetzung mit der realen Geschichte, also der Überbetonung des "Vaterländischen Krieges", den ausgeblendeten Verbrechen aller russischen Staatsführungen seit Jahrhunderten, der Quasiannektion ganz Osteuropas nach dem Zweiten Weltkrieg bis hin zu den imperialen Militärinterventionen der Jetztzeit. Und damit ist Russland heute sicher auch emotional noch immer irgendwie dieses Zwitterwesen aus propagierter Liebe zur Heimat, Gerechtigkeit und Solidarität sowie (militärpolitischer) Größe und Stärke als Kontrapunkt zu den (emotional mit Kapitalismus, Imperialismus, Rassismus und Krieg verbundenen) USA. Hier kann Putin (weitgehend unwidersprochen) direkt mit seinem Narrativ der Niederschlagung des vom Westen gesteuerten, ukrainischen Naziregimes ansetzen.


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Cornelia Mannewitz
03.11.2022
Was die Fehler betrifft: Vielen Dank für Dein Lob! Aber Du kannst nicht davon ausgehen, dass sie einer Slawistin nicht auffallen. Und da Du sie schlankweg überspringen willst, muss ich doch gleich noch einmal auf sie eingehen. Ich hätte es sonst in Portionen getan. Aber so deutet sich auch gleich an, was alles noch zu besprechen sein wird:

Der "Holodomor" fand nicht 1938 statt, sondern in den Jahren 1932-33. Warum ich das für wichtig halte, würde ich gern sagen, wenn wir uns speziell der Ukraine widmen; es hat auch mit dem Begriff "Holodomor" und seiner Bedeutung für das heutige ukrainische "nation building" zu tun.

Stalin starb nicht 1956, sondern schon 1953. Warum ich das für wichtig halte? Weil es zeigt, wie lange es brauchte, bis sich die sowjetische Partei- und Staatsführung zum ersten Mal zu einer öffentlichen Kritik an Stalin durchrang (mit Chruschtschows - auch da noch geheimer - Rede 1956; wahrscheinlich hast Du an dieses Jahr gedacht), dann damit aber letztlich die Voraussetzungen für eine neue Epoche des gesellschaftlichen Klimas in der Sowjetunion schuf (Ilja Ehrenburg hat sie als "Tauwetter" bezeichnet); was uns wiederum vor Augen führt, dass die Entwicklung der Sowjetunion doch nicht ganz so geradlinig verlief, wie es vielleicht manchmal scheinen mag.

Des Beginns des Zweiten Weltkriegs gedenken wir am 1. September - im Osten mehrheitlich nach wie vor "Weltfriedenstag", im Westen "Antikriegstag" genannt. Der Hitler-Stalin-Pakt musste also vorher geschlossen worden sein. Die Angliederung Kareliens erfolgte konkret im Ergebnis des sogenannten Winterkriegs mit Finnland 1939/40. Und mit den mittelasiatischen Republiken hatte der Pakt gar nichts zu tun - sie waren schon in den 20er Jahren Unionsrepubliken, wie man aus der ersten Verfassung der Sowjetunion ersehen kann. Warum ich das für wichtig halte? Weil es etwas sowohl über langfristige Entwicklungen in Struktur und Ausbau der Union als auch über das historische Umfeld des Großen Vaterländischen Krieges (bei mir ohne Anführungszeichen - ggf. bitte nachfragen!) aussagt. Hier hätten sich auch Betrachtungen zu den Folgen des Hitler-Stalin-Pakts für die Ukraine angeboten. Aber zur Ukraine kommen wir ja noch.

Stalin war nicht Präsident. Er war Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU, später außerdem Ministerpräsident. Das Amt des Präsidenten gab es in der Sowjetunion vor Gorbatschow gar nicht. Warum ich das für wichtig halte? Weil es zeigt, wie sich Partei und Staat in der Sowjetunion zunehmend miteinander verflochten. Wenn man sieht, welche Bedeutung im öffentlichen Leben die Parteitage der KPdSU hatten, weiß man auch, welcher von beiden die Entscheidungen traf. Die Politik beruhte also auf den ideologischen Grundlagen, die die Partei vertrat. Man mag das nicht mögen, aber man stelle sich so etwas zum Beispiel einmal im heutigen Deutschland vor: Ein Kongress berät immer wieder einmal darüber, auf welchem Stand sich, gemessen an der Theorie, die Entwicklung des Landes befindet.

Dass Russisch etwa in der Hälfte der Ukraine seit 2012 wieder den Status einer quasioffiziellen Amtssprache genießt: Ob es die Hälfte der Ukraine war, würde ich bei einem Blick auf die Karte bezweifeln, aber tatsächlich nutzten einige Regionen das Sprachengesetz von 2012 und etablierten Russisch als zweite Amtssprache. Warum ich das für wichtig halte? Weil Russisch in der Ukraine nie den Status einer Amtssprache hatte. Also: Warum "wieder"? Und warum "quasioffiziell", wenn es das Gesetz doch jetzt zuließ? Aber ich schreibe ohnehin im Präteritum. Denn: Dieses Gesetz gilt nicht mehr. Seit 2022 ist ein neues Sprachengesetz in Kraft. Unsere kommenden Betrachtungen zur Ukraine sollten sich wohl auch der Sprachenfrage widmen.

Die korrekten Angaben (so viel für unsere Leser "da draußen") kann man auch in der Wikipedia finden. Was Du vielleicht nicht wissen kannst: Reiner Braun ist "nur" Geschäftsführer (executive director) des International Peace Bureau. Damit ist er immer noch recht sichtbar, aber doch nicht in leitender Funktion. Das ist auch ganz gut, denn mit seiner Offenheit gegenüber Rechts hat er sich in den letzten Jahren zu einem fragwürdigen Akteur der Friedensbewegung entwickelt. Und ja, einen gewissen Bezug zu unserem Thema hat das auch.

Aber zu Russland. Vielen Dank für Deine Überlegungen! Na ja. Hintergründe für meine Frage gibt es zwei. Erstens ist da der Ärger über die so häufige gedankenlose Gleichsetzung von "Russland" und "Sowjetunion". Im 19. Jahrhundert etwa war man es gewohnt, von Russland zu sprechen und dabei alle Ethnien auszublenden, die außer den Russen Russland bevölkerten, weil es sich ja eben um das Russische Reich handelte. Die Nazis, speziell die bewaffneten, machten es nicht anders, obwohl sie genau wussten, was für einem Staat sie da gegenüberstanden. Von dieser Gedankenlosigkeit hat sich viel erhalten. Ich erinnere mich an die Reaktion einer angehenden Slawistikstudentin, als ich ihr erzählte, ich lerne jetzt Armenisch: "Ach ja, das ist ja auch so ein Dialekt des Russischen!" Ignoranz und Desinteresse am "Osten" sprechen aus einer solchen Haltung. Die hast Du bestimmt nicht. Da ist aber auch noch Zweitens - der Staat: Für mein Verständnis unterscheiden sich die Sowjetunion und das heutige Russland durch ihre Gesellschaftsordnung. Die Sowjetunion war ein sozialistisches Land. Russland ist ein kapitalistisches Land. Und tatsächlich halte ich die ökonomischen Verhältnisse als Kriterium für die Unterscheidung der beiden für sehr nützlich; während mir nicht ganz klar ist, wie Du "Gesellschaftsordnung" verstehst. Wenn ich Deine Texte richtig lese, ist für Dich wichtig, wie sich die Mitglieder einer Gesellschaft fühlen. Was allerdings schwer zu eruieren ist; ich jedenfalls würde auch nach über sechs Jahren Teilstudium, Promotion und Arbeit in der Sowjetunion und einem Berufsleben als Slawist nur sehr begrenzt wagen, dazu Aussagen zu treffen. Wo doch, das wird sich im Lauf unserer Diskussion ergeben. Das Wort "Gesellschaftsordnung" benutzt Du aber trotzdem. Du schreibst: "Vergessen wir nicht, dass das faschistische Deutschland und die stalinistische Sowjetunion (...) damals in vielem ähnlich, ja - trotz (vermeintlich) unterschiedlicher Gesellschaftsordnung - fast schon befreundet waren" (Heft 107, S. 29). Woran man diese Freundschaft hätte erkennen sollen, wäre sicher auch noch zu klären. Aber soll man daraus schließen, Nazideutschland und die Sowjetunion seien eigentlich dasselbe gewesen? Und mehr als das (und ich hoffe, ich fange mit diesem Zitat früh genug im Text an): "(...) Sozialarbeiter:innen oder Psycholog:innen können aus Hunderten solcher Einzelerfahrungen ein Gesellschaftsbild ableiten, über das ja inzwischen auch genügend geforscht und Bücher geschrieben wurde/n. Und damit ergibt sich auch die Konsequenz, dass eine Gesellschaft da etwas aufzuarbeiten hat - im Falle Russlands hunderte Jahre permanenter Gewalterfahrung auf allen Ebenen und unabhängig von der Gesellschaftsordnung." (Heft 108, S. 11) Soll uns das etwa zu der Annahme führen, dass Russland bzw. die Russen "nun mal so sind"?


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Tom Maercker
20.11.2022
Ich befürchte fast, wir werden den Fokus auf das Wesentliche verlieren und immer neue Themenstränge eröffnen, wenn wir uns jetzt in aller Ausführlichkeit den womöglich beiläufigen Details widmen, oder?

Ob der Holodomor 1933 stattfand (fand er; Tippfehler, sorry!), Stalin bereits 1953 starb (tat er; ich hatte mich - wie Du bereits vermutet hattest - auf den "Tod" seines Vermächtnisses 1956 bezogen) und ob er - auch wenn er formal eine Vielzahl anderer Titel hatte - durch diese Machtfülle aus heutiger Sicht auch kurz als "Präsident" bezeichnet werden könnte, führt uns aus meiner Sicht - neben der Korrektur dieser Daten - bislang nicht zu neuen oder anderen Erkenntnissen.

Der Nichtangriffs-, Grenz- und Freundschaftsvertrag zwischen Nazideutschland und der Sowjetunion wurde genau genommen eine Woche vor und vier Wochen nach dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 geschlossen, was mit "September 1939" also annähernd richtig beschrieben ist.

1920 wurden die transkaukasischen Staaten Armenien, Aserbaidschan und Georgien von der Roten Armee besetzt (und 1922 als Transkaukasischen SFSR zusammengefasst Gründungsmitglied der Sowjetunion), 1924 die russischen Kolonien Turkmenien und Usbekistan in Sowjetrepubliken umgewandelt und 1940 Karelien sowie das Baltikum überfallen. Dies und die Einverleibung der Siedler- und Nomadenstrukturen Kasachstans bringt uns zu dem Schluss, dass es anscheinend keine massenweise oder auch nur mehrheitliche Hinwendung aus der Mehrheit der späteren Sowjetrepubliken heraus zur Sowjetunion gab, wie uns immer suggeriert wurde, wohl eher wenig nennenswerten Widerstand.

Mit der Unabhängigkeit wurde 1991 Ukrainisch zur Amtssprache, 2012 allerdings auch Russisch in 13 der 27 ukrainischen Regionen wieder zugelassen, was mit "Hälfte" also annähernd gut beschrieben sein sollte. Dass ein Land mit eigener Sprache und Kultur bei einem übergriffigen Nachbarn seine eigene als einzige Amtssprache festlegt, wie es - eben wegen dieser Übergriffigkeit - beispielsweise auch die baltischen Staaten getan haben, kann man das - wie der nur russisch sprechende, in Leipzig aufgewachsene, ukrainische Autor Dmitrij Kapitelman - literarisch ironisch auf die Schippe nehmen. Wenn Menschen allerdings Zeuge von Gewalt und Zerstörung im Kontext auch von Sprache geworden sind, wie es u. a. viele (deutsche) Juden während des Holocausts erlebt haben, ist es wenig verwunderlich, wenn sie diese Sprache nie mehr hören und sprechen möchten. So wird die Sprache Puschkins, Dostojewskis oder Tschaikowskis eben mit jedem Tag mehr auch die Sprache der Gräueltaten an der ukrainischen Zivilbevölkerung. Für mich ist es also durchaus verständlich, dass damit das Privileg der zweiten Amtssprache für die südöstlichen Regionen jetzt gefallen ist.

Die von Dir erwähnte (und oft dem Westen zugeschriebene) Ignoranz dem Russischen und Russland bzw. generell dem Osten gegenüber hat mich in meiner Jugend oft geärgert, zumal da auch immer so eine Herablassung mitzuschwingen schien. Vielleicht auch deshalb, weil die Moderne (besonders die Technikentwicklung, Kunst, Unterhaltung/Sport ...) auf anderen Bühnen zuhause waren und daher mehr Aufmerksamkeit zogen. Ich habe mir die oft fehlende Neugier (nicht nur dem Osten gegenüber), die ich zunächst mit fehlendem Respekt gleichgesetzt hatte, damals mit einer Art Übersättigung erklärt - die wohl eigentlich eine Überforderung war, und die wir jetzt auch erleben, wenn wir rund um die Uhr mit unzähligen Werbebotschaften, Nachrichten und Arbeitsinhalten beschallt werden.

Aber da war ja noch die Frage der Gesellschaftsordnung, die wir ja an den Produktionsverhältnissen und der ökonomisch herrschenden Klasse in ihrer Stellung zu den Produktionsmitteln festmachen könnten. Aus meiner Sicht funktioniert dieses Denkmodell einer Gesellschaftsordnung schon in den klassischen, bürgerlichen Demokratien nur so mittel gut. Allerdings wurde die ja maßgeblich noch vor der Einführung der Elektrizität entwickelt. Soziologie, Massenpsychologie und Psychoanalyse - also die Wissenschaften davon, wie sich Menschen im Einzelnen, in Gruppen oder in der Masse verhalten, gab es genauso wenig, wie die im 19 Jahrhundert unvorstellbaren Phänomene Sozialstaat, Microtargeting, Social Scoring und Filterblasen. Während sich das Kapital einigermaßen "gesetzmäßig" zu verhalten scheint, tut es das Proletariat immer weniger. Und vielleicht wäre hier noch die ein oder andere, weitere Überlegung zu treffen, um Aussagen zu Lösungswegen aus Klima-, Ressourcen- und weiterer Krisen treffen zu können ...

In Russland gab es eben keine "normale" Demokratie mit den dazu nötigen bürgerlichen Freiheiten, mit der unendlichen Vielfalt einer entwickelten Zivilgesellschaft, den verfassten Rechten zur Freiheit der Meinung und Investition. Es ist aus meiner Sicht ein gewaltiger Unterschied, ob sich aus tausenden Kleinunternehmungen nach zweihundert Jahren dutzende Konzerne und ein ganzer Teppich aus Mittelstandsfirmen entwickelt haben, oder ob ein aus einer planwirtschaftlichen Direktive heraus entstandenes Kombinat über Nacht von einem Oligarchen übernommen wird. Sehr unterbelichtet betrachtet ist meines Erachtens auch der Widerstand gegen den Mainstream und die kapitalistische Gesellschaftsordnung. Vieles, was heute tragender Teil unserer Gesellschaft ist, verdanken wir den gesellschaftlichen Nischen oder gar Protestbewegungen. Und damit meine ich nicht lapidar die Rede- oder Meinungsfreiheit, sondern vor allem die anarchistischen Einflüsse, wie beispielsweise Genossenschaften, Gewerkschaften, fundierte Alternativmedizin, Biolandwirtschaft, Ingenieur- und Medienkollektive, Reformpädagogik, NGOs, viele (nichtkonfessionelle) charitative und Selbsthilfestrukturen, all die Enthusiasten, Nerds, Ökos und Hippies, die im Dickicht der Möglichkeiten Neues entdeckt, erfunden oder entwickelt haben. Damit einher geht auch die öffentliche Moral. Und der öffentliche Diskurs. Wie wird der geführt, nach welchen Regeln erfolgen Auseinandersetzung, Kritik, Zustimmung und Ablehnung. Denken wir nur an das (naive) Wirken der RAF und was das plötzlich mit all den noch immer faschistoiden Reaktionären oder den Superreichen gemacht hat, die plötzlich ganz kleinlaut wurden und sich (bzw. ihre Pelzmäntel) fast schon versteckten. Soetwas formt gesellschaftliche Strömungen, Bewusstsein und politische Landschaften. Und welche Rolle spielt dabei die Entwicklung des Rechts und des Rechtsstaates? Warum stellen sich Verfassungsrichter plötzlich schützend vor die LGBTQAI+ oder die Aktionen der "Letzten Generation"? Was macht das mit der Diversität der Medien? Noch nie in der Geschichte hatten wir so eine breit gefächerte und zumeist sogar fundierte Vielfalt im Themen-, Recherche- und Meinungsspektrum. Welche Rolle spielen dabei die Öffentlich-Rechtlichen (und auch der Missbrauch durch falsch organisierte Kontrolle)? Und wozu brauchen wir Symbolpolitik? Auch bei uns liegt da immer wieder mal einiges im Argen, setzen sich (siehe das neofaschistische Italien) gelegentlich fatale Ideen durch oder irrationale Machteliten. Aber dieses bestenfalls im Gleichgewicht der Mächte befindliche Durcheinander ergibt am Ende diese oft gescholtene "parlamentarische Demokratie". Momentan vielleicht das Sinnvollste, was praktisch im Einsatz ist. Und natürlich noch lange nicht das Ende der Entwicklung ... ;-)

All das gab es in Russland (bzw. der Sowjetunion) nicht einen einzigen Tag lang. Die Produktivkräfte konnten sich nach 1917 (bzw. nach dem Bürgerkrieg) quasi nicht weiter entwickeln, weil der "Fortschritt" von da an durch Partei und Verwaltung definiert wurde - für mich eine der fundamentalsten Fehleinschätzungen von Marx und der Tod jeglicher Innovation. Aus meiner Sicht hat sich das auch nach der (Wieder)Zulassung von kapitalistischen Produktionsverhältnissen 1993 in Russland nicht geändert. Wahrscheinlich ist im isländischen Reykjavik mit seinen knapp 140.000 Einwohnern mehr Bewegung, als in den Millionendörfern Kasan, Samara und Omsk zusammen. Leider wurde in Russland das hochkomplexe westliche System nur in Auszügen kopiert: Privateigentum an Produktionsmitteln wird wieder zugelassen und ein Parlament gewählt. Das ist aber noch lange keine Demokratie. Selbst der Markt in Russland ist wenig demokratisch, sondern eher despotisch-feudaler Natur. Hier haben viel zu wenig Menschen viel zu viel Macht. Nicht nur kriminelle, sondern auch finanzielle und mediale. Dazu kommen politische und bürokratische Einflussnahmen, unerwartete rechtliche Unsicherheiten, die fehlende Durchlässigkeit für Neue(s) und schließlich eine ausufernde Korruption. Und damit ist es zwar eine ganz andere Gesellschaftsordnung als zu Sowjetzeiten, aber aus Sicht der Produktivkräfte hat sich vergleichsweise wenig verändert. Ganz im Gegenteil: Die Bevölkerung hat die postulierten Ideale und wohl auch die soziale Grundsicherung verloren. Wenn mehrere Generation quasi zu Gehorsamkeit und Passivität genötigt/erzogen wurden, streift man das nicht einfach durch eine Verfassungsreform ab. Es gibt seit Generationen niemanden mehr im Land, der/die Freiheit (auch so ein geschundenes Wort) mit all ihren Sonnen- und Schattenseiten, der nötigen Umsicht und Verantwortung kennt und gemeinwohlorientiert zu nutzen weiß. Lediglich die Kriminellen, die sich zumindest gewisse Freiheiten schon immer mit Gewalt und Bestechung ermöglicht haben, kommen momentan zurecht. Und natürlich diejenigen, die das Repressionssystem schon in Sowjetzeiten für persönliche Belange genutzt haben. Beide Gruppen verstehen aber bislang nicht, dass Freiheit eben nicht den Missbrauch gesellschaftlicher Ressourcen meint, sondern eben auch partnerschaftliche und gesamtverantwortliche Elemente enthält. Es braucht wohl einfach noch viel mehr Zeit, bis sich eine stabile, diverse Zivilgesellschaft entwickeln kann.

Über die Ähnlichkeiten von Deutschland und der Sowjetunion zur Nazizeit ist es aus meiner Sicht wichtig, was man genau betrachtet und zu welchem Zeitpunkt. Wirtschaftlich waren es zunächst zwei gänzlich verschiedene Systeme. Hier standen sich die inzwischen wieder erstarkte, privatwirtschaftlich agierende, deutsche Industrie und die ersten, staatlich organisierten Großbetriebe der jungen Sowjetunion gegenüber. Zumindest in der nazideutschen Propaganda galt der "internationale Bolschewismus" als Todfeind, gern auch noch angereichert um das Prädikat "jüdisch". Ich bin nicht sicher, ob sich Hitler und Goebbels näher mit den konkreten Umständen im Russland der zwanziger und dreißiger Jahre beschäftigt hatten. Wahrscheinlich spielte Russland in dieser Zeit eine eher untergeordnete Rolle in Europa und war isoliert und auch weitgehend mit sich beschäftigt, auch wenn es wohl erste wirtschaftliche Annäherungen an den Westen gab. Dennoch galt "bolschewistisch" als Inkarnation des Bösen, schon weil die "Nationalsozialisten" mit den deutschen Kommunisten um den Einfluss auf das Proletariat konkurrierten. Aus heutiger Sicht war Stalin Hitler in punkto Totalitarismus, Ideologisierung, Personenkult, Überwachung, Konzentrationslager/Gulag und Terror um Jahre voraus (wenn auch aus ganz unterschiedlichen Motiven), hatte seine großen Verbrechen also teilweise schon hinter sich, als Hitler noch vor dem Spiegel reden übte. Was Hitler davon damals bereits wusste und vielleicht sogar kopierte oder ob es einfach eine logische Konsequenz seiner menschenverachtenden Ideologie war: In Fragen der Militarisierung der Gesellschaft und einer völlig irrationalen staatlichen Repression waren sich beide Systeme Ende der Dreißiger immer ähnlicher. Auf den Nichtangriffspakt Ende August 1939 folgte nach der Eroberung Polens an dessen Kapitulationstag (28. September 1939) - wie oben bereits erwähnt - die zusätzliche Unterzeichnung eines Grenz- und Freundschaftsvertrages mit Russland. Allerdings ging es dabei eher um Vereinbarungen zu avisierten Interessenssphären und die konkreten Grenzziehungen, nachdem inzwischen die Rote Armee am 17. September 1939 - wie im August vereinbart - in Ostpolen einmarschiert war. Hitler strebte sogar ein antibritisches Bündnis mit Russland an, dem sich aber Stalin verweigerte. Wirtschaftlich wurde die Zusammenarbeit enger. Bereits vor dem Nichtangriffspakt wurde ein deutsch-sowjetischer Wirtschaftsvertrag ausgehandelt, in dem sich die Sowjetunion zu Rohstoff- und Nazideutschland zu Waffenlieferungen verpflichteten. Dieser Vertrag wurde vor dem Überfall auf die Sowjetunion 1941 noch einmal erweitert. Militärisch hatten beide Länder schon vor Hitlers Machtergreifung 1933 zusammengearbeitet, um die westlichen Sanktionen nach dem Ersten Weltkrieg zu umgehen. So fanden bereits seit 1925 in der Flugschule in Lipezk südlich von Moskau Waffentests und die Ausbildung der (zunächst noch geheimen) deutschen Luftwaffe statt. Junkers hatte inzwischen fünf Flugzeugwerke in der Sowjetunion gebaut. In Kasan wurde außerdem die (ebenfalls geheime) Panzerschule Kama betrieben. Auf dieser Zusammenarbeit baute wohl später auch das Zusammenwirken von SS und NKWD im besetzten Polen auf. Fakt ist: Beide Staaten waren in Europa lange isoliert, in beiden hatten sich eine militärisch-organisierte Gesellschaft mit totalitären Machtstrukturen und eine hoch ideologisierte Öffentlichkeit entwickelt. Man war sich in vielem ähnlich und verstand einander nur zu gut, hatte sogar einen Beitritt der Sowjetunion zum faschistischen Dreimächtepakt (Deutschland, Italien, Japan) verhandelt. Bis zum Juli 1940, als Hitler die Entscheidung zum Überfall traf ...

Die Aufarbeitung der eigenen Geschichte ist ja zunächst eine gesellschaftspolitische Entscheidung, die allerdings in allen Bereichen einer Gesellschaft erfolgen muss. Die deutsche Wirtschaft hat das bislang zumindest in Teilen geleistet und Arbeitsgruppen eingesetzt, um die verfälschten oder zumindest geschönten Firmenchroniken überarbeiten zu lassen. Die Schulbildung widmet sich der historischen Epoche sehr umfangreich bis hin zu Besuchen in ehemaligen Konzentrationslagern. Von vielen Organisationen und Vereinen wird eine Erinnerungskultur organisiert, dazu Reisen, Ausstellungen, Gespräche und Lesungen. Der politische Raum räumt dem Gedenken ebenfalls gebührenden Platz ein. Die politische Bildung hat zudem unzählige Publikationen zu den unterschiedlichsten Aspekten herausgegeben. Progressive Medien haben unzählige (kritisch-reflektierende) Dokumentarsendungen, Sachbücher und Websites publiziert und enthüllen zudem gelegentlich Skandale um die fehlende Aufarbeitung in staatlichen Institutionen und der Verwaltung. Inzwischen ist die Aufarbeitung auch in den Familien angekommen, auch wenn verschiedene Wissenschaftler:innen (u. a. Harald Welzer) zu dem Schluss kommen, dass in punkto persönliche oder familiäre Betroffenheit (Was haben meine Eltern/Großeltern eigentlich während der Nazizeit gemacht?) noch zu wenig kritisches Hinterfragen bzw. Reflektion zu finden sind, was die Erfahrungen mit der aus meiner Sicht fehlgeleiteten SocialMedia-Version von Sophie Scholl eher bestätigen. Zudem untersuchen Psychologen auch die Besonderheiten der Generationen Kriegskinder und Kriegsenkel. All das mag vielen nicht reichen, hat aber ein internationales Alleinstellungsmerkmal. Soweit mir bekannt ist, gibt es in Spanien und Portugal, Chile, Argentinien, Griechenland etc. kaum eine signifikante Aufarbeitung der Militärdiktaturen, sind bis heute führende Militärs, Politiker, Verwaltungsmenschen oder Geistliche in Amt und Würden (oder unbehelligt im luxuriösen Ruhestand), obwohl sie eigentlich ins Gefängnis gehörten. Ähnliches gilt für Osteuropa, wo bislang völlig ungeklärt ist, warum die von Russland befreiten Länder quasi besetzt blieben bzw. Statthalterregierungen eingesetzt und Millionen Menschen enteignet, entrechtet und entmündigt wurden.

Auf russischer Seite haben lediglich NGOs wie "Memorial" versucht, zumindest den stalinistischen Terror zum Thema zu machen, von Aufarbeitung kann gar keine Rede sein. Noch immer ist unter Historikern umstritten, was man als "stalinistische Säuberungen" bezeichnen soll: Hinrichtungen, Tod im Gulag, Tod durch Zwangsumsiedlungen, Deportationen, Vertreibungen, Industrialisierungs- und Strafaktionen ...? Und ob zum Beispiel der "Holodomor" in der Ukraine bzw. die Hungersnöte in Südrussland und Kasachstan als Schicksal, Vorsatz oder billigend in Kauf genommen gewertet werden sollen. Und selbst dann wäre unklar, ob letztlich 4 oder 22 Millionen Menschen (jenseits der konkreten Kriegsopfer) dadurch zu Tode gekommen sind. In der Bundesrepublik wissen wir inzwischen relativ genau, welcher deutsche Soldat wann und wo gefallen, verschollen oder begraben ist. In Russland ist die Existenz von vielen Millionen Menschen generell unklar. Und selbst wenn verlässliche Zahlen vorlägen, wird noch lange nicht debattiert, wer genau an dem Verhören, Exekutieren, Vertreiben, Verhungernlassen etc. beteiligt war, wer das organisiert, dokumentiert, Spuren beseitigt und historisch verschleiert hat. Ganz zu schweigen davon, was solche massenhaften Grausamkeiten mit einer beteiligten Person oder den Angehörigen der Opfer machen und was diese emotional oder an Prägung weitergeben. Das alles ist im heutigen Russland (wahrscheinlich auch in Weißrussland und der Ukraine) kaum ein Thema.

Ganz im Gegenteil: Das Land ist noch immer voll von Insignien der vermeintlich ruhmreichen Zeit. Überall stehen Panzer, Denkmäler und Wandfriese, sind Straßen und Plätze wie vor Jahrzehnten benannt, und dienen weitgehend unreflektiert der Heroisierung einer vermeintlich glanzvollen Zeit. All die Gräuel und der Terror werden überdeckt vom ruhmgetränkten Teppich des Großen Vaterländischen Krieges. Der opferreiche und in vielem sicher auch heldenmütige Sieg über den Faschismus ist zwar Fakt, aber andererseits auch (für die russische Sicht) unendlich geschönt, wie wohl in allen Kriegen - die Sieger schreiben die Geschichte. Soweit mir bekannt ist, wird in Russland heute kein Diskurs über die Hinrichtung/Verbannung tausender eigener Offiziere durch Stalin geführt. Oder die (auch dadurch) unzähligen politischen/militärischen Fehlentscheidungen mit unnötigen und immens hohen Opferzahlen. Oder wie mit den rückkehrenden Kriegsgefang:innen umgegangen wurde. Ganz zu schweigen von militärisch unsinnigen Zerstörungen, "Säuberungen", Vergewaltigungen und Plünderungen (in allen befreiten Ländern).

Russland oder die Russ:innen sind natürlich nicht per se gewalttätig, zumal das ja auch nie für alle Menschen eines Landes/Volkes gelten würde. Aber die Bevölkerung hat während der Zarenzeit bereits erhebliche Gewalterfahrungen machen müssen, die sich während des Ersten Weltkriegs sowie der Revolutions- und Bürgerkriegszeit fortsetzten. Darauf konnten Stalin bzw. der gesamte militärisch organisierte Repressionsapparat einfach aufbauen. Es gibt auch Menschen, die behaupten, es wäre notwendig gewesen, um das Land möglichst schnell aus der Feudalzeit in das Industriezeitalter zu versetzen und letztlich auch den Krieg zu gewinnen. Keine der darauf folgenden Regierungen bis zu Gorbatschow hat diese gewaltvolle Ausrichtung der Gesellschaft je thematisiert. Oder deren dringend notwendige Überwindung durch Aufarbeitung. Und Gorbatschow wird bis heute dafür kritisiert, dass er dem Land eine solche Schmach bereitet hat.


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